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JUSTIZ & RECHT

US-Anklage: Drei Männer sollen mit KI Stimmen von Konzernchefs nachgeahmt haben

Die New Yorker Bundesanwaltschaft beschuldigt zwei Israelis und einen spanisch-britischen Doppelstaatsangehörigen, mit KI Stimmen und Bilder von Managern nachgeahmt und weltweit über 129 Millionen Dollar erbeutet zu haben.

6 Nov, 22:16 · 5 sources · 2 min

US-Anklage: Drei Männer sollen mit KI Stimmen von Konzernchefs nachgeahmt haben

Die Bundesanwaltschaft für den Südbezirk New York hat am Donnerstag eine Anklage gegen drei Männer veröffentlicht, die mit Hilfe künstlicher Intelligenz Stimmen und Bilder von Konzernchefs und Anwälten nachgeahmt und Unternehmen weltweit um mehr als 129 Millionen Dollar gebracht haben sollen. Der Fall berührt den Bereich der KI-gestützten Kriminalität: Die Behörden beschreiben, wie Werkzeuge zur Nachahmung von Stimme und Bild genutzt wurden, um Konzernhierarchien und das Vertrauen von Mitarbeitern für Überweisungen auszunutzen. Welche KI-Modelle oder Anbieter dabei zum Einsatz kamen, geht aus den veröffentlichten Darstellungen nicht hervor.

Nach Darstellung der Anklagebehörde wandten sich die Beschuldigten per E-Mail im Namen des Vorstandsvorsitzenden an Mitarbeiter, häufig aus der Buchhaltung, und baten um Hilfe bei einer vertraulichen Finanztransaktion. In Telefon- oder Videokonferenzen ahmten sie mit KI die Stimme und teils auch das Bild des Konzernchefs nach. Anschließend verwiesen sie die Angestellten an Anwälte großer internationaler Kanzleien, die angeblich an dem Geschäft mitwirkten; auch diese Anwälte wurden nach Darstellung der Behörde von der Gruppe gespielt, um die Rechtmäßigkeit der Transaktion zu suggerieren. Die Gelder sollten auf Konten unter anderem in Spanien, Portugal, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur, Österreich, der Slowakei und China fließen und seien anschließend in Kryptowährung umgewandelt worden, um Herkunft, Eigentümerschaft und Kontrolle der Erlöse zu verschleiern.

Als Opfer nennt die Anklage unter anderem ein britisches Fintech-Unternehmen (11.578.474 Dollar), einen Klinikverbund mit Sitz in Missouri (4.829.580 Dollar), einen Tierfutterhersteller in Florida (5.242.747 Dollar) und einen Klinikverbund in Kalifornien (2.968.497 Dollar). Weitere Berichte nennen eine Bank in Rhode Island mit etwa 2,7 Millionen Dollar, einen Fondsanbieter in Massachusetts mit rund 4,6 Millionen Dollar sowie eine Investmentbank in New York. Die Einzelbeträge variieren zwischen den Berichten; die Gesamtsumme wird durchgängig mit mehr als 129 Millionen Dollar angegeben.

Der aus Spanien und Großbritannien stammende Jacob Soall (41) soll vor allem Anwälte britischer Kanzleien verkörpert und dabei ein Skript mit dem Titel „Lawyer Call“ verwendet haben. Sharon Hazan (54) wird die Geldwäsche des Erlöses zur Last gelegt; nach Angaben der Anklagebehörde rühmte er sich, in den vergangenen Jahren mehr als 400 Millionen Dollar gewaschen zu haben und unter professionellen Geldwäschern „weltweit die Nummer eins“ zu sein. 2008 war er in New York wegen Betrugs verurteilt worden. Guy Sheetrit (42) soll ebenfalls an der Geldwäsche beteiligt gewesen sein. Die Anklage umfasst Betrug, Geldwäsche und schweren Identitätsdiebstahl.

Die Festnahmen erfolgten nach den vorliegenden Berichten zwischen Juni und September in Spanien und Großbritannien; die genauen Daten werden unterschiedlich überliefert. Die Auslieferungsersuchen an die Vereinigten Staaten sind noch anhängig. Der FBI-Assistenzdirektor James C. Barnacle Jr. erklärte, der Fall zeige, wie fortgeschrittene Technologie für groß angelegten Betrug genutzt werden könne; die Behörde wolle ihre Fähigkeiten anpassen, um solche Täter zu identifizieren und zu stören. Der Bundesanwalt Jamie McDonald wird mit der Aussage zitiert, die Technologie biete erhebliches Potenzial, doch die Öffentlichkeit müsse zur Kenntnis nehmen, dass einige sie für kriminelle Ziele einsetzten. Bei einer Verurteilung drohen nach Darstellung der Anklagebehörde je Anklagepunkt bis zu 20 Jahre Haft, für schweren Identitätsdiebstahl bis zu zwei Jahre.

Sources

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