WIRTSCHAFT & MÄRKTE
Negativer freier Cashflow: S&P stellt Metas Kreditprofil wegen des Kapitalbedarfs für KI auf negativ
Die Ratingagentur hält an AA- fest, ändert aber den Ausblick: Meta veranschlagt 135 bis 145 Milliarden Dollar Kapitalausgaben, der freie Cashflow fiel erstmals ins Minus.

S&P Global Ratings hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit von Meta von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt; die Bonitätsnote AA- bleibt bestehen. Begründet wird der Schritt mit den stark gestiegenen Kapitalausgaben für künstliche Intelligenz und dem erstmals negativen freien Cashflow. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, ob sich die milliardenschweren Investitionen in Rechenzentren und KI-Modelle in Erträge übersetzen lassen – derzeit der zentrale Streitpunkt zwischen den großen Technologiekonzernen und den Kapitalmärkten.
Im dritten Quartal wies Meta einen Umsatz von 64,6 Milliarden Dollar aus, ein Plus von 26 Prozent; das Betriebsergebnis sank um 37 Prozent auf 13 Milliarden Dollar, darin enthalten sind nach Darstellung von AI Times 9,9 Milliarden Dollar für einen Vergleich im Rechtsstreit um die psychische Gesundheit Jugendlicher. Bei einem operativen Cashflow von 32,8 Milliarden Dollar und Investitionen von rund 34,9 Milliarden Dollar ergab sich ein freier Cashflow von minus 2,12 Milliarden Dollar, nach einem Plus von 10,6 Milliarden Dollar im Vorjahr. Für das Gesamtjahr veranschlagt Meta 135 bis 145 Milliarden Dollar Kapitalausgaben; S&P erwartet einen weiteren Anstieg auf über 225 Milliarden Dollar und verweist auf langfristige Verpflichtungen von mehr als 800 Milliarden Dollar.
Die Agentur bezweifelt, dass Meta seine KI-Investitionen so zügig in Erlöse verwandelt wie Wettbewerber, die Rechenkapazität als Cloud-Dienst verkaufen. Sie erwartet, dass sich das Wachstum der Kapitalausgaben ab 2028 abflacht, ist aber unsicher, ob der Konzern seine Ausgaben wie bisher angenommen drosselt. Die Langfristverbindlichkeiten lagen Ende September bei 80,9 Milliarden Dollar, der Verschuldungsgrad könnte bis 2027 von rund 0,1 auf über 1,0 steigen. Die Aktie verlor seit dem Rekordstand von 777,59 Dollar am 24. September 20,9 Prozent und beendete den Oktober mit minus 15 Prozent. Zur Finanzierung will Meta laut CNBC 95 Milliarden Dollar über Aktienemissionen aufnehmen; Liberty Times und Ámbito Financiero nennen abweichend 97,5 Milliarden Dollar.
Meta widerspricht der Einschätzung und verweist auf erhebliche Produkt- und Geschäftschancen sowie ein sehr solides Kreditprofil. Die Agentur hatte zuvor Oracle auf BBB- herabgestuft und den Ausblick für Broadcom von positiv auf stabil korrigiert. Andere Branchen melden erste Erträge: Santander beziffert den Geschäftswert seiner KI-Programme in den ersten neun Monaten auf 194 Millionen Euro, Novartis weist ein um zehn Prozent höheres Kernbetriebsergebnis aus, Standard Chartered ein Plus von 14 Prozent beim operativen Ergebnis – jeweils zu konstanten Wechselkursen und ohne Quantifizierung des KI-Anteils. Als nächster Schritt steht die Platzierung der angekündigten Kapitalerhöhung an.