TECHNOLOGIE
OpenAI verpflichtet sich zu vollen Stromkosten und begrenzt Geheimhaltung gegenüber Amtsträgern
Zwei Tage nach den US-Zwischenwahlen sagt OpenAI die vollständige Übernahme der Energiekosten für eigene Rechenzentren zu und will Geheimhaltungsvereinbarungen mit Amtsträgern nur noch in Ausnahmefällen abschließen.

OpenAI hat am Donnerstag (5. November) einen Katalog von Zusagen an die Standortgemeinden seiner Rechenzentren sowie einen politischen Maßnahmenkatalog vorgelegt – zwei Tage nach den US-Zwischenwahlen, bei denen die Wähler den Ausbau solcher Anlagen mehrheitlich ablehnten. Von 41 lokalen Vorlagen in zehn Bundesstaaten stützten die Wähler nach einer Auswertung von Ballotpedia und zusätzlichen, von CNBC erhobenen Daten in allen Fällen bis auf einen Beschränkungen oder lehnten entwicklungsfreundliche Vorlagen ab. Für OpenAI ist das ein unmittelbares Geschäftsproblem: Das Unternehmen ist auf Rechenzentren angewiesen, um Kunden zu bedienen und neue Modelle zu entwickeln, und hatte im Februar Investoren ein Rechenbudget von 600 Milliarden Dollar bis 2030 in Aussicht gestellt.
Der „National Community Compact“ gilt für Rechenzentren, die OpenAI künftig selbst besitzt und betreibt; die Anlagen werden in „Compute Campus“ umbenannt. Vorgesehen sind Vereinbarungen mit jeder Standortgemeinde, die Einbeziehung der Anwohner ab der frühen Planungsphase und ein jährlicher Fortschrittsbericht. OpenAI verpflichtet sich, Stromkosten und die benötigte Netzinfrastruktur vollständig zu tragen und Kosten aus Verzögerungen oder Abbruch nicht auf andere Stromkunden abzuwälzen; bevorzugt werden wassersparende Kühlverfahren, zudem sollen Verbrauchsdaten und unabhängige Lärmgutachten veröffentlicht werden. Geheimhaltungsvereinbarungen mit Amtsträgern sollen nur noch zulässig sein, wenn Sicherheitsinformationen oder Geschäftsgeheimnisse dies erfordern. Der „Compute Campus Policy Blueprint“ verlangt von den Regulierern, Großabnehmer stärker an den Netzkosten zu beteiligen und zugleich Anlagen, die ihre Leistung bei Engpässen drosseln können, leichter anzuschließen; im County Effingham kann der Versorger die Lieferung an OpenAI in Spitzenzeiten um bis zu 1000 Megawatt reduzieren. Vorgeschlagen werden außerdem Offenlegungspflichten für Wasser-, Strom- und Beschäftigungsdaten sowie die Rückforderung von Steuervergünstigungen bei gebrochenen Zusagen.
Beziffert sind bislang regionale Einzelmaßnahmen: Im County Effingham in Georgia finanziert OpenAI mit 4,8 Millionen Dollar kostenlose Schulmahlzeiten für rund 14.000 Schülerinnen und Schüler, im County Pike in Ohio stellen OpenAI und SB Energy sechs Millionen Dollar für Kinderbetreuung bereit. Chris Lehane, bei OpenAI für globale Angelegenheiten zuständig, verweist auf eine geplante Anlage im Süden Ohios mit 2500 Dauerstellen bei einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 80.000 Dollar; ein Teil der Infrastruktur werde von Partnern wie Oracle gebaut und gehalten. Der Maßnahmenkatalog sei seit August erarbeitet worden, sagte Lehane, er habe seither mit Dutzenden Abgeordneten und Kandidaten gesprochen. OpenAI-Präsident Greg Brockman räumte ein, man müsse den Menschen und den Gemeinden besser erklären, warum Rechenzentren für sie von Vorteil sein können.
Die Ankündigung ist auf den Beginn der neuen Legislaturperiode in Washington ausgerichtet: Die Gespräche dienten auch dazu, Schwung aufzunehmen, damit die Arbeit vorliege, wenn der neue Kongress Ende Januar zusammentrete, sagte Lehane. Der Katalog ist als Aufforderung an Bundes-, Staats- und Kommunalregierungen formuliert, aus den Zusagen allgemeine Regeln zu machen. In dieselbe Richtung gingen bereits Vorstöße der Branche: Im September riefen unter anderem Nvidia und Google die „AI Energy Management Alliance“ ins Leben, im Oktober folgte Amazon mit einem eigenen Zusagenkatalog. Nach Darstellung von OpenAI führt der Compact die im Januar vorgestellte Initiative „Stargate Community“ fort.
Sources
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