WIRTSCHAFT & MÄRKTE
OpenAI verlagert Umsatzschwerpunkt auf Unternehmen und peilt Börsengang 2027 an
Nach einem schwachen ersten Halbjahr im Coding-Geschäft meldet OpenAI-Präsident Brockman eine Erholung im dritten Quartal; Unternehmenskunden liefern nun die Mehrheit des Umsatzes.

Der Umsatzschwerpunkt von OpenAI hat sich verschoben: Wie Präsident und Mitgründer Greg Brockman am Mittwoch auf der Technikkonferenz des Wall Street Journal in Napa, Kalifornien, sagte, stammt die Mehrheit der Erlöse inzwischen aus dem Geschäft mit Unternehmenskunden. Für die kommerzielle KI-Nutzung ist das insofern bemerkenswert, als OpenAI damit eine Größe nennt, die den Wettbewerb um Firmenkunden und nicht mehr das Endkundengeschäft als wichtigste Einnahmequelle ausweist. Brockman verband dies mit einer Erholung im Coding-Markt, in dem das Unternehmen im ersten Halbjahr nach eigener Darstellung kaum präsent war.
Brockman räumte ein, dass der Rivale Anthropic bei der Gewinnung von Firmenkunden vorausgelegen habe. Das erste Quartal sei «ziemlich schwierig» gewesen, das zweite ebenso; im Bereich Coding sei man «nicht einmal Gegenstand der Diskussion» gewesen, der Codex-Agent habe keine Beachtung gefunden. Im dritten Quartal habe sich die Lage «vollständig verändert»; als Auslöser nannte er die Markteinführung des Modells GPT-5.6 Sol und des Arbeitsprodukts ChatGPT Work sowie wachsende Aufmerksamkeit für agentische Coding-Werkzeuge. Die Produkteinführungen hätten «einen bemerkenswerten Umsatzwendepunkt» gebracht.
Externe Daten deuten auf eine Annäherung hin: Nach einer im September veröffentlichten Auswertung von OpenRouter entfielen die Ausgaben von rund 120.000 Unternehmen, die Werkzeuge beider Anbieter nutzen, nahezu gleichmäßig auf Anthropic und OpenAI; zu Jahresbeginn hatte Anthropic laut dieser Erhebung rund 75 Prozent gehalten. Als bedeutenden Firmenkunden nennt der Bericht die JP Morgan Chase, die jüngst eine strategische Partnerschaft mit OpenAI schloss, darunter Zugang zu Cybersicherheitsmodellen über ein Programm namens Dawnbreak; zugleich ist die Bank am Sicherheitsprojekt Glasswing von Anthropic beteiligt.
Bei der Kapitalbeschaffung blieb OpenAI hinter den eigenen Zielen zurück. In der jüngsten Finanzierungsrunde kamen laut dem Bericht weniger als die Hälfte der angestrebten 30 Milliarden Dollar zusammen, die Bewertung liegt bei 1,25 Billionen Dollar statt der angepeilten 1,4 Billionen Dollar. Die Verunsicherung der Märkte gegenüber der KI-Branche habe die Investitionsstimmung beeinflusst, heißt es darin. Die Börsennotierung, für die OpenAI im Juni Unterlagen eingereicht hatte, wurde auf das kommende Jahr verschoben. Auf die Frage, ob ein Gang an die Börse 2027 vorbereitet werden könne, antwortete Brockman: «Ich denke schon.» The Hindu berichtet zudem, es werde erwartet, dass Anthropic noch vor Jahresende an die Börse geht.
Sources
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