WIRTSCHAFT & MÄRKTE
KI-Aktien unter Druck: Enttäuschende Quartalszahlen nähren Zweifel an den Investitionen
Der Nasdaq verliert zwei Prozent in der Woche und 5,3 Prozent im Oktober; Intel bricht nach schwachem Ausblick ein, Alphabet und Amazon enttäuschen mit negativem freien Cashflow.

Die Wall Street hat eine zunächst freundliche Woche mit deutlichen Abgaben im Technologiesektor beendet. Der Nasdaq-Index, der bis Mittwoch um mehr als zwei Prozent zugelegt hatte, verlor am Donnerstag 1,4 Prozent und am Freitag knapp drei Prozent; auf Wochensicht stand ein Minus von zwei Prozent, für Oktober von 5,3 Prozent, wie CNBC berichtet. Der breitere S&P 500 fiel am Freitag um nahezu zwei Prozent und verlor auf Monatssicht knapp ein Prozent, während der Dow weniger als ein Prozent nachgab und im Oktober 1,7 Prozent gewann. Im Zentrum steht die Frage, ob die hohen Ausgaben der Technologiekonzerne für künstliche Intelligenz schneller Erträge abwerfen, als die Anleger zuletzt erwartet hatten.
Auslöser der frühen Zuversicht war laut CNBC der Antrag auf Börsengang von Anthropic sowie ein Rekordquartalsgewinn von SK Hynix, der die Erwartungen an die Speicherchips stützte; der iShares Semiconductor ETF legte in den ersten drei Sitzungen rund neun Prozent zu. Mit den Zahlen der großen Plattformkonzerne kippte die Stimmung. Intel senkte den Ausblick am Donnerstagabend, die Aktie verlor am Freitag mehr als 28 Prozent (CNBC) beziehungsweise 29 Prozent (NZZ). Die NZZ beschreibt den Fall Alphabet, der an einem einzigen Handelstag 500 Milliarden Dollar Börsenwert einbüßte, als Beispiel dafür, dass das Unternehmen seine KI-Infrastruktur nicht mehr aus dem Cashflow finanzieren kann und zugleich sein Werbegeschäft durch eigene KI-Dienste kannibalisiert. Amazon verfehlte am Donnerstagabend die Erwartungen; die Aktie fiel am Freitag um 1,4 Prozent, nachdem sie zeitweise mehr als sechs Prozent im Minus gelegen hatte. Microsoft lieferte laut CNBC mit 48 Prozent Azure-Wachstum und niedrigeren Kapitalausgaben als erwartet starke Zahlen; die Aktie verlor auf Wochensicht nur 0,5 Prozent.
In einem Kommentar der NZZ bezweifelt der Autor, dass die Unternehmen ihre Investitionen in KI-Infrastruktur je amortisieren können. Er verweist darauf, dass KI-Chips etwa 60 Prozent der Investitionskosten eines modernen Datenzentrums ausmachten, rasch an Wert verlören und nach wenigen Jahren ersetzt werden müssten; hinzu kämen hohe Stromkosten und kalkulatorische Zinsen von etwa zehn Prozent jährlich. Als Hintergrund der Unsicherheit nennt er die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA; er hält es für möglich, dass es schon in der nächsten oder übernächsten Woche wieder aufwärtsgeht – ein Bauchgefühl, wie er selbst einräumt.
Bei CNBC heißt es zudem, die Erwartung einer Zinserhöhung der Fed im Dezember habe die Sorgen verstärkt. Die Notenbank beließ die Zinsen am Mittwoch unverändert; der Vorsitzende der US-Notenbank, Kevin Warsh, habe in der Inflationsfrage scharf argumentiert und signalisiert, eine weitere Anhebung sei nur eine Frage der Zeit. Als nächsten großen Test für den KI-Handel bezeichnet die NZZ den Börsengang von Anthropic; ob er gelingt, ist damit offen.