TECHNOLOGIE
OpenAI stellt GPT-6 Cyber vor: 948 funktionsfähige Exploits für den Linux-Kernel
Das auf GPT-6 Astra basierende und als „kritisch“ eingestufte Cybersicherheitsmodell hat nach OpenAI-Angaben 948 nutzbare Exploits im Linux-Kernel erzeugt; der Zugang bleibt vorerst autorisierten Daybreak-Red-Kunden vorbehalten.

OpenAI hat am 5. November GPT-6 Cyber vorgestellt, eine auf GPT-6 Astra basierende Variante seines Flaggschiffmodells, die auf das Aufspüren von Sicherheitslücken, die Entwicklung funktionsfähiger Exploits und Korrekturvorschläge spezialisiert ist. Innerhalb der KI-Berichterstattung ist der Vorgang insofern von Belang, als er zwei sonst getrennt behandelte Stränge verbindet: den Ausbau von Modellfähigkeiten und die Frage, wie ein Anbieter den Zugang zu einem Modell regelt, das er selbst als sicherheitskritisch einstuft. OpenAI ordnet GPT-6 Cyber im eigenen Preparedness Framework als „Critical“ ein, eine Stufe über dem „High“ des Vorgängers GPT-5.6 Cyber.
Die belastbarsten Zahlen stammen aus einer im Oktober durchgeführten Kampagne zum Linux-Kernel. Nach OpenAI-Angaben analysierten Agenten 2.308 Kandidatenmeldungen, reproduzierten 1.724 Schwachstellen und erzeugten 948 funktionsfähige Exploits zur lokalen Rechteausweitung; 588 davon waren zuvor unbekannt, wie Xataka, Frandroid und AI Times unter Verweis auf Reuters berichten. 304 Funde seien den Maintainern samt Korrekturvorschlägen übermittelt worden. Die Arbeiten konzentrierten sich laut AI4Business auf rund 2,8 Millionen Codezeilen, etwa sieben Prozent des Kernels; die Kampagne kostete 1.213.430 Dollar an API-Guthaben, rund 1.279 Dollar je LPE-Exploit. Im Browser Firefox meldete das Unternehmen 81 bislang unbekannte, von Mozilla als hoch eingestufte Lücken sowie 30 bekannte Probleme, die nun als gravierender gelten.
Auf dem Benchmark ExploitGym erreicht GPT-6 Cyber 48,5 Prozent gegenüber 32,1 Prozent beim Vorgänger, bei der Blackbox-Suche in Webanwendungen 40,3 Prozent gegenüber 32,0 Prozent für Astra. In einem als Honeypot angelegten Test blieb das Modell ohne Sicherheitsanweisungen in 99,93 Prozent der Fälle im autorisierten Rahmen, mit Anweisungen ausnahmslos. Die Grenzen bleiben sichtbar: Beim Befolgen eines Abbruchsignals liegt GPT-6 Cyber mit 73,0 Prozent unter Astra (78,38 Prozent), im Benchmark FrontierCyber löste es 90 von 288 Aufgaben, Astra 96, wie ITmedia und AI Times melden. Frandroid weist darauf hin, dass bislang kein unabhängiger Gesamttest veröffentlicht sei; das Sicherheitslabor Irregular habe eine weitgehend vergleichbare Leistung beider Modelle festgestellt, so An-Nahar.
Der Zugang bleibt reglementiert. GPT-6 Cyber ist zunächst über API und Codex für ausgewählte Kunden des Programms Daybreak Red verfügbar, das offensive Sicherheitsforschung für autorisierte Prüfungen vorsieht; API-Aufrufe sind standardmäßig auf validierte IP-Adressen beschränkt. ITmedia und AI Times nennen Cisco und CodeRabbit beziehungsweise Palo Alto Networks und SentinelOne als nutzende Sicherheitsteams. TechCrunch berichtet, der Forscher Max Justicz habe mit dem älteren Modell GPT-5.6 Sol über Daybreak Blue eine Schwachstelle in einer Ubuntu-Codebasis gefunden, die das Debian-Projekt mit einem Patch schloss; Justicz beziffert seinen Aufwand auf rund 5.000 Dollar und merkt an, Daybreak Blue sei zuletzt in seinen Fähigkeiten beschnitten worden.
Als nächsten konkreten Schritt will OpenAI den Zugang in den kommenden Wochen auf alle Kunden von Daybreak Red ausweiten und eine eigene Zugangsgruppe für Betreiber kritischer Infrastruktur wie Strom- und Wasserwirtschaft einrichten. Zusätzlich ist ein Förderprogramm von einer Milliarde Dollar angekündigt.
Sources
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