TECHNOLOGIE
Reuters-Institut: Neun Prozent fragen generative KI nach Nachrichten; nur zwölf Prozent akzeptieren rein KI-erstellte Inhalte
Der dritte Jahresbericht des Reuters Institute verzeichnet wachsende Nachrichtennutzung über generative KI, während die Bereitschaft, vollständig maschinell erstellte Nachrichten zu akzeptieren, niedrig bleibt.

Der dritte Jahresbericht des Reuters Institute zur generativen KI, gestützt auf eine Online-Umfrage zwischen August und September 2026 in neun Ländern, verzeichnet einen Anstieg bei der Nachrichtennutzung: Der Anteil der Befragten, die generative KI zum Zugang zu Nachrichten verwenden, liegt bei 9 Prozent, nach 3 Prozent im Jahr 2024 und 6 Prozent im Jahr 2025. Für die Informationsbeschaffung insgesamt meldet die Erhebung 38 Prozent (2024: 11 Prozent, 2025: 24 Prozent). Der Befund betrifft jenen Teil der KI-Entwicklung, in dem Modelle nicht als Produkt, sondern als Mittler zwischen Publikum und Inhalten wirken – ein Bereich, in dem sich laut den Autoren die Bedingungen für Sichtbarkeit, Marke und Monetarisierung der Verlage verschieben.
Innerhalb der Nachrichtennutzung dominiert die Vertiefung: 49 Prozent der Nutzer stellen Rückfragen zu einer Geschichte, 46 Prozent lassen sich aktuelle Entwicklungen zuspielen, 39 Prozent suchen eine Nachrichtenquelle, 38 Prozent lassen Texte zusammenfassen. Bei der allgemeinen Informationssuche entfallen 24 Prozent auf Recherche, 20 Prozent auf Ratschläge, 14 Prozent auf Ideenfindung und 13 Prozent auf Textzusammenfassungen. ChatGPT liegt dem Bericht zufolge weiterhin vorn, gefolgt von Gemini, Copilot und Claude. Der Einsatz von KI-Agenten bleibt mit 14 Prozent begrenzt; verbreiteter ist die Nutzung bei Jüngeren, bei höheren Einkommen und in bestimmten Berufsgruppen.
Die Akzeptanz in den Redaktionen bleibt gering. Nur 12 Prozent fühlen sich sehr oder ziemlich wohl mit Nachrichten, die vollständig von KI erstellt sind; mit menschlicher Aufsicht steigt der Wert auf 19 Prozent. Der Komfortwert insgesamt blieb gegenüber 2024 nahezu unverändert. Größere Offenheit besteht für Übersetzung und Grammatikkorrektur. In sechs Ländern überwiegt die Erwartung, KI mache die Nachrichtenproduktion billiger (plus 34 Prozentpunkte Differenz zwischen erwartetem Rückgang und Anstieg der Kosten) und aktueller (plus 19), aber weniger transparent (minus 10) und weniger verlässlich (minus 17).
Die Autoren Felix M. Simon, Rasmus Kleis Nielsen und Richard Fletcher beschreiben verschiedene Formen generativer KI als „immer relevantere Intermediäre der Information“, genutzt sowohl absichtlich als auch unbeabsichtigt; zu den möglichen Folgen zählen sie einen Rückgang des Zustroms aus Suchmaschinen und eine wachsende Neigung des Publikums, sich an KI-Systeme anstelle von Suchmaschinen zu wenden. Eine im Februar 2026 veröffentlichte Analyse des Instituts prognostizierte unterdessen einen Rückgang des Website-Verkehrs durch KI-Zusammenfassungen um 43 Prozent binnen drei Jahren – eine Erwartung, kein gemessener Wert.
Die Erhebung umfasst Argentinien, Australien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Japan, Norwegen, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten; ein deutschsprachiger Markt ist in dieser Aufzählung nicht enthalten, Aussagen für Deutschland, Österreich oder die Schweiz lassen sich daraus nicht ableiten. Die nächste Ausgabe des Jahresberichts wird zeigen, ob sich der Anstieg der Nachrichtennutzung fortsetzt; ob die Verkehrsprognose eintritt, ist bislang nicht durch Messdaten bestätigt.