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WIRTSCHAFT & MÄRKTE

Agility wird börsennotiert und legt Verluste sowie Mietpreise für Digit 5 offen

Der Humanoid-Anbieter aus Oregon ist über eine SPAC-Fusion an die Nasdaq gegangen und hat dabei erstmals Umsatz, Verlust und Preismodelle seines Robotergeschäfts veröffentlicht.

5 Nov, 17:16 · 3 sources · 3 min

Agility wird börsennotiert und legt Verluste sowie Mietpreise für Digit 5 offen

Agility Robotics hat als erster ausschließlich auf humanoide Roboter spezialisierter Entwickler den Börsengang in den USA vollzogen: Über eine Fusion mit einer Zweckgesellschaft (SPAC) fließen dem Unternehmen aus Salem, Oregon, laut TechCrunch 465 Millionen Dollar neues Kapital zu; die Notierung an der Nasdaq datiert Ars Technica zufolge auf den 5. November. Das Geschäft fällt in den Bereich der sogenannten Physical AI, jener Investitionswelle in körperlich arbeitende Maschinen, die Agility nach Darstellung von TechCrunch zeitlich vorausging. Mit der Transaktion werden erstmals Umsatz, Verlust und Preismodelle eines reinen Humanoid-Anbieters öffentlich – und damit die Frage überprüfbar, ob sich KI-Robotik als Geschäft trägt. Der begleitende Prospekthinweis, humanoide Roboter seien im Maßstab noch unerprobt und nicht breit kommerzialisiert, bleibt Teil der Offenlegung.

Die Zahlen sind klein. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 erwirtschaftete Agility laut TechCrunch 174.000 Dollar Umsatz, überwiegend mit verbundenen Parteien, bei einem Verlust von 362 Millionen Dollar im selben Zeitraum. Das Unternehmen hatte 2024 als erster Anbieter humanoide Roboter in Vollzeitbetrieb bei einem Kundenlager eingesetzt und betreibt Digit-Einheiten bei neun Kunden, darunter GXO, Schaeffler, Toyota Motor Manufacturing Canada und Mercado Libre; bei GXO wurden mehr als 100.000 Transportboxen bewegt, Einsätze in North Carolina und Tennessee sind angekündigt. In der am 4. September bei der SEC eingereichten Registrierungserklärung nennt Agility selbst als Risiko, humanoide Roboter seien anders als Industriemaschinen mit jahrzehntelanger Praxis nicht im Maßstab erprobt. Als Vergleichspunkt führt Ars Technica den chinesischen Anbieter Unitree an, der im August 2026 an der Shanghaier STAR Market ging und dabei seine Bücher öffnete.

Sichtbar werden auch die Stückkosten. Im Mietmodell verlangt Agility 25.000 Dollar einmalig für Lieferung und Inbetriebnahme je Roboter sowie eine laufende Monatsgebühr von 8.500 Dollar für Software und Wartung; beim Kauf fallen 200.000 Dollar für die Hardware, 20.000 Dollar für Lieferung und Inbetriebnahme sowie 36.000 Dollar jährlich für Software und Wartung an. Mitgründer Jonathan Hurst begründet das Mietmodell damit, dass Kunden ab dem ersten Tag eine Rendite erzielten, weil der Tarif mit dem menschlichen Arbeitslohn vergleichbar sei. Agility veranschlagt im Mietmodell nach Angaben von TechCrunch Einsparungen von 100.000 Dollar pro Jahr und Roboter; ob diese Rechnung aufgeht, hängt von den noch zu erweisenden Fähigkeiten des Digit 5 ab.

Der Digit 5 soll bis zu 50 Pfund heben, mit Wechselgreifern arbeiten und in 24 Stunden mehr als 20 Stunden einsatzfähig sein; ein Schnellladesystem des britischen Anbieters Nyobolt benötigt laut Ars Technica neun Minuten für 90 Minuten Laufzeit, Agility habe eine Exklusivvereinbarung für die Nutzung der Chemie in humanoiden Robotern. Das Unternehmen nennt 300 Millionen Dollar geplanter Verträge mit 30 Kunden; im Mai 2026 hätten vier Kunden einen 500.000 Dollar teuren Vor-Ort-Test gebucht. Die Aufträge sind an nicht genannte Zielwerte bei Durchsatz, Verfügbarkeit und Platzierungsgenauigkeit gebunden. Heute heben die Roboter schwere Lasten und setzen sie nach Angaben von TechCrunch mit 98 Prozent Genauigkeit ab; komplexe Manipulation beherrschen sie wie die meisten heutigen Maschinen nicht. Trainingsverfahren auf Basis von Video- und Teleoperationsdaten haben bislang nicht zu verlässlicher allgemeiner Autonomie geführt.

Kunden des Miet- und Kaufmodells erhalten laut Registrierungserklärung ab 2027 Zugang zum Digit 5; TechCrunch zufolge sollen Prototypen auf der CES 2027 gezeigt werden und das Modell Ende jenes Jahres breit verfügbar sein. CEO Peggy Johnson hatte die Entscheidung zum Börsengang unter anderem mit dem Auftragsbestand begründet, die Namen der Kunden aber nicht genannt.

Sources

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