WIRTSCHAFT & MÄRKTE
OpenAI senkt Finanzierungsziel auf 20 Milliarden Dollar
Der ChatGPT-Entwickler reduziert sein angestrebtes Volumen um rund zehn Milliarden Dollar, während der Nasdaq unter Druck gerät und Investoren auf die hohen KI-Infrastrukturausgaben reagieren.

OpenAI hat das Ziel seiner laufenden Finanzierungsrunde nach unten korrigiert. Wie die Financial Times unter Berufung auf informierte Quellen berichtet, strebt das Unternehmen, das die Anwendung ChatGPT entwickelt, nun rund 20 Milliarden Dollar an, nachdem zuvor von 30 Milliarden Dollar die Rede war. Die Bewertungserwartung wurde demnach von 1,4 Billionen Dollar auf 1,25 Billionen Dollar gesenkt. Die Reduktion um etwa zehn Milliarden Dollar fällt in eine Phase, in der die Finanzierung von KI-Unternehmen und die Bewertung ihrer Infrastrukturinvestitionen im Zentrum der Marktaufmerksamkeit stehen.
Nach Angaben der Financial Times setzte OpenAI den Investoren für Freitag eine Frist zur Bestätigung ihrer Zusagen. Die erste Tranche dürfte jedoch unter der Zielmarke von 20 Milliarden Dollar liegen, da einige Investoren ihre zugesagten Beiträge reduziert haben. Das Wall Street Journal berichtete ergänzend, das Unternehmen habe bislang elf Milliarden Dollar gesichert; die Resonanz bei einigen großen Investoren sei verhalten ausgefallen. Ein Anlegerkonsortium aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem auch die staatlich unterstützte Technologiebeteiligungsgesellschaft MGX angehört, soll die Runde anführen. Zu den weiteren genannten Investoren zählen Founders Fund, Coatue, Sequoia Capital und Andreessen Horowitz. Vermögenden Privatpersonen könnte später eine Beteiligung zu einer Bewertung von 1,25 Billionen Dollar offenstehen.
Der Zeitpunkt der Runde fällt mit einer breiten Verkaufswelle bei amerikanischen Technologiewerten zusammen. Der Nasdaq-Index verlor am Freitag 2,9 Prozent und lag damit 7,8 Prozent unter seinem Rekordschluss vom 6. Oktober. Als Grund gelten Sorgen über das Ausmaß der Investitionen in künstliche Intelligenz und deren Ertragskraft. Reuters hatte am 19. Oktober berichtet, OpenAI beschleunige die Mittelbeschaffung im Vorfeld eines möglichen Börsengangs im Jahr 2027; dieser Schritt steht auch im Zusammenhang mit dem Wettbewerb mit Anthropic, das seinerseits ein IPO vorbereitet und eine ähnliche Investorenzielgruppe anspricht. Auch das geplante IPO von Anthropic könnte auf Herausforderungen stoßen.
Offen bleibt, wie sich die endgültige Höhe der ersten Tranche und die Zusammensetzung des Investorenkreises gestalten. OpenAI, MGX und mehrere beteiligte Investmentgesellschaften reagierten laut Reuters nicht auf Anfragen um Stellungnahme; Founders Fund war nicht erreichbar.